Prag – Hradec Kralove

Nach dem trüben und regnerischen Wetter an unserem gestrigen Ruhetag begrüßt uns heute Morgen wieder strahlender Sonnenschein. Vom Frühstück gesättigt brechen wir auf.

Das Radwegnetz nach Osten aus Prag heraus ist wesentlich weniger gut ausgebaut als das nach Westen, von wo wir vorgestern gekommen sind. Es sind zwar Wege ausgeschildert, diese und auch unsere Navi-Route enden aber regelmäßig in Schlammlöchern, steilen Trampelpfaden und Treppen. Letztendlich benötigen wir für die ersten 10 km eine geschlagene Stunde.

Dann erreichen wir ein Viertel, das uns mit seinen Betonburgen aus verschiedenen Jahrzehnten entfernt an den Münchner Stadtteil Neuperlach erinnert, und das gute Radwege hat, kurz darauf einen hübschen Vorort mit kleinen Häuschen mit Gärtchen und verkehrsberuhigten Straßen. Letzteres zieht sich noch ein wenig – und dann haben wir endlich die Stadt hinter uns.

Von jetzt an geht die Fahrt fast kontemplativ voran, durch sanft geschwungene Felder, Alleen von Mirabellen- und Nussbäumen und von Zeit zu Zeit kleineren Örtchen. Wir kommen auch durch große Sonnenblumenfelder, die aber leider schon verblüht sind. Vor zwei oder drei Wochen muss der Anblick überwältigend gewesen sein. Unsere Route verläuft meist auf kleinen Nebenstraßen, manchmal auch auf wirklichen Radwegen und nur äußerst selten mal für ein paar hundert Meter auf einer etwas stärker befahrenen Straße. Außer uns sind überraschend viele andere Radler unterwegs, was wohl zum Teil der Tatsache geschuldet ist, dass heute Samstag ist.

Bei Podebrady überqueren wir die Elbe und kehren dort am schönen Marktplatz ein, um unseren Flüssigkeitshaushalt wieder auf Vordermann zu bringen. Die Weiterfahrt unterscheidet sich nicht wesentlich von zuvor, lediglich wird die Gegend zunehmend flach. Erst kurz vor Hradec Kralove können wir am Horizont wieder Hügelketten erkennen.

Hradec Kralowe empfängt uns mit einem auffälligen Springbrunnen und tomatenrot abmarkierten Fahrradspuren. Letztere sind zwar nicht immer perfekt, aber doch auffallend gut. Da die Altstadt als ehemalige Festungsanlage nur eine Zufahrt hat, müssen wir erst um die halbe Stadt herum fahren, um hinein und zu unserem Hotel zu kommen. Dort machen wir uns erstmal frisch.

Moment mal, Hradec Kralowe? Hatten wir nicht gestern einen historisch bedeutsamen Ort angekündigt? – Ganz recht! Hradec Kralowe heißt auf deutsch Königgrätz, und hier wurde 1866, also vor genau 150 Jahren die entscheidende Schlacht im Deutsch-Deutschen Krieg geschlagen, in deren Folge die deutsche Einigung unter preußischer Federführung und ohne Österreich erfolgte – mit allen bekannten Folgen.

Einen Teil des Schlachtfelds werden wir morgen besuchen, heute machen wir nur einen Spaziergang durch die wunderschöne Altstadt mit der gotischen Kathedrale und vielen wunderbar restaurierten Häusern aus Renaisance, Barock und Empire – und sogar zwei Jugendstilbauten.

Tageskilometer: 123.43, Gesamtstrecke: 584 km

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