Hradec Kralove – Duszniki Zdròj

Wir schlafen recht lange aus, sind dennoch nicht perfekt ausgeruht, da während der Nacht mehrfach vor dem Fenster recht lautstark Spätheimkehrer zu hören waren. Um drei Uhr haben wir dann das Fenster zugemacht. Dass es hier in der Stadt viele tolle Kneipen gibt, haben wir ja gestern Abend schon gesehen…

Das leckere Frühstück entschädigt für alles. Zudem gefällt es uns hier sehr gut: Das Hotel wird von drei jungen Leuten betrieben, alles ist sehr familiär und das ganze Innendesign verwendet Vögel aller Art (aus Porzellan, Plüsch oder auf Bildern). Das Ganze nennt sich (übersetzt) „Nest der Träume“. Auch wenn wir auf dieser Reise schon in deutlich edleren Hotels waren, dieses hier war – auch vom Kontakt mit den Inhabern her – bisher das schönste.

Wir verlassen die schöne Altstadt von Hradec Kralowe und können direkt – ohne ewiges Eiern durch Außenbezirke – einem schönen Radweg entlang der Elbe nach Norden folgen. Bei Předměřice nad Labem verlassen wir den Elberadweg und fahren etwa acht Kilometer nach Westen, zur Ortschaft Chlum, auf einem Hügel gelegen. Hier fand 1866 der zentrale Teil der Schlacht zwischen den Heeren von Österreich und Preußen statt. Dementsprechend gibt es viele Denkmäler und ein zentrales Museum. Dieses ist sehr modern gestaltet und gibt einen schönen Überblick über die Vorgeschichte und den Verlauf der damaligen Kampfhandlungen. Auch die Ursachen der Niederlage Österreichs werden detailliert beleuchtet (ein wichtiger Grund: Sie hatten altmodischere Gewehre, mit denen man deutlich weniger Schüsse pro Minute abfeuern konnte. Dafür waren diese Waffen auf weite Entfernung deutlich treffsicherer als diejenigen der Preußen. Auf solche Waffen ein Bajonett zu stecken und in den Nahkampf zu gehen – wie es geschehen ist – ist dann nicht unbedingt die beste Idee…). Alles in allem ein extrem lohnenswerter Abstecher in eine zu Unrecht ziemlich vergessene Episode der Geschichte unseres Landes.

Zurück an der Elbe folgen wir dieser noch etwa elf Kilometer, ehe wir nach Osten abknicken (und von hier an auch wieder die einzigen Radler sind). Über kleine Straßen durch nette Dörfer, immer leicht bergauf und bergab. Nach der langen Etappe gestern strengt das gut an, hilfreich ist da auch nicht, dass wir ab  Česká Skalice ein paar Kilometer auf einer großen Europastraße unterwegs sind. Hat diese anfangs noch einen breiten Seitenstreifen, so wird es an einer Baustelle richtig doof (weil eng). Hier können wir zum Glück bald auf eine kleinere Dorfstraße abbiegen. Über diese kommen wir in die Ausläufer von Náchod, welches wir hauptsächlich als verkehrsreich und sehr langgezogen im Gedächtnis behalten werden. Die sicher sehr schöne Altstadt und das oberhalb der Stadt gelegene Schloss bekommen wir nur kurz zu Gesicht. In einem Supermarkt kurz vor der Grenze geben wir unsere letzten Kronen aus und rollen dann, Schengen sei dank, auf einem perfekten Radweg nach Polen.

In Kudowa-Zdrój holen wir uns am Automaten Zloty, folgen ein kurzes Stück der Europastraße und biegen dann nach Osten auf ein winziges Sträßchen ab. Es folgt, was wir im Verlauf des Tages als „der Berg“ bezeichnet haben. Es geht über fünf Kilometer gut bergauf; mit dem kleinsten Kettenblatt und etwas Geduld ist aber auch diese Aufgabe zu meistern. Dennoch sind wir froh, als wir oben angelangt sind.

Aufgrund des schlechten Asphalts verläuft die Abfahrt nach Duszniki-Zdròj nur gebremst rasant. Duszniki Zdròj ist ein Kurort, der leider im Lauf der Zeit etwas von seinem ehemaligen Glanz eingebüßt hat, auch wenn wir bei einem Stadtrundgang einige Stellen finden, an denen wieder kräftig poliert wird und wurde. Momentan findet auch ein Chopin-Festival statt. Wir steigen in einer Art Motel ab, mit angeschlossenem Restaurant, welches sich als sehr gut entpuppt.

Tageskilometer: 82.38, Gesamtstrecke: 667 km

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2 Gedanken zu “Hradec Kralove – Duszniki Zdròj

  1. Es ist sehr beeindruckend, wie Ihr Eure Etappen eine nach der anderen abhakt. Wir wünschen Euch weiterhin alles Gute und ein unbeschwertes Genießen. Liebe Grüße!

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    1. Hallo Ihr, danke für den Kommentar. Von wegen „Abhaken der Etappen“: Das klingt so locker leicht, aber nach den vielen Hügeln freuen wir uns beide schon sehr auf den kommenden Ruhetag übermorgen. Wo dieser stattfinden wird, sollte nach einem Blick auf die Karte klar sein…

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