Breslau

Unseren zweiten Ruhetag verbringen wir in Breslau. Wir schlafen etwas länger aus als normal und nach dem Frühstück schauen wir uns zuerst den Bereich um den Rynek noch einmal genauer an.

Es sind zu dieser Uhrzeit viel weniger Leute unterwegs als gestern Abend (auch wenn betont werden muss, dass Breslau allgemein um einiges weniger überlaufen ist als es z.B. Prag war. Breslau wird als wenig bekannter Geheimtipp gehandelt, und diese Einschätzung scheint zu stimmen). Von Turm der Elisabethkirche verschaffen wir uns auch einen Überblick von oben auf die Innenstadt. Wurde es südlich vom Rynek sehr schnell trubelig und großstädtisch, so finden wir westlich und nördlich immer neue enge Gassen, schöne alte Gebäude und manchmal auch einen Zwerg. Vorbei am eindrucksvollen Gebäude der Universität kommen wir zu den dreieinhalb in der Oder gelegenen Inseln, deren bekannteste die Sandinsel und die Dominsel sind. Dreieinhalb Inseln deswegen, weil die Dominsel seit der Versandung eines Seitenarms der Oder gar keine echte  Insel mehr ist. Wie der Name schon andeutet, befindet sich hier der (größtenteils) gotische Breslauer Dom. Die Gegend um den Dom besteht aus vielen engen Gassen – einfach toll.

Es hängen auch Fotos aus, die den Zustand dieser Gegend um 1945 dokumentieren, als die Stadt in einer absolut sinnlosen Aktion zur „Festung Breslau“ deklariert wurde und von den Sowjets zur Eroberung dieser Festung mehr oder weniger jedes einzelne Haus zusammengeschossen wurde. Eigentlich erstaunlich, dass sich die (ja komplett neue) Bevölkerung nach dem Krieg die Mühe gemacht hat, zumindest die Innenstadt so originalgetreu wieder herzurichten.

Vorbei am Nationalmuseum laufen wir zurück zum Hotel und nutzen bis zum Abendessen den Pool unseres Hotels.

So, nun folgt das zweite der angekündigten Essays zu technischen Themen, heute zur Routenplanung. Als ersten Schritt der Planung kann man sicherlich „München“, „Prag“ usw. in den präferierten Routenplaner eingeben und wird eine schön kurze, aber nicht unbedingt Fahrrad-geeignete Route erhalten (fairerweise muss man hier erwähnen, dass Google Maps für einige Länder einen Routingmodus für Fahrräder anbietet).

Also in der zweiten Iteration Routen auf geeignetem Kartenmaterial zusammensuchen und dann in Google Maps nachbasteln. Für Sachen wie den Donauradweg gibt es geeignete Karten in Papierform sehr schön aufbereitet vom Verlag Esterbauer (bikeline), für unsere Route aber hätten wir sicherlich mehrere Kilogramm Papierkarten benötigt. Also wieder im Internet nach Lösungen schauen. Hier bietet sich das Open-Source-Projekt OpenStreetmap an bzw. dessen genialer Ableger OpenCyclemap. Letzterer kombiniert die Basiskarten des Projekts mit Informationen zu Radwegen und den wichtigsten regionalen und überregionalen Radrouten. Also haben wir begonnen, unsere Route mit OpenCyclemap zu planen und dann in Google Maps zusammenzubasteln. Eine ziemliche Fummelei und zudem hat Google Maps ein Limit an benutzerdefinierten Wegpunkten, welches für die vernünftige Planung von bis zu über 100 km langen Etappen viel zu klein ist.

Nach einigem Suchen haben wir dann die eierlegende Wollmilchsau gefunden, und zwar online-Routenplaner, welche auf OpenCyclemap basieren und zudem beliebig viele Wegpunkte zulassen. Es gibt mehrere solcher Seiten; wir kommen am besten zurecht mit Naviki. Dieser Routenplaner ist der online-Teil zu einer App für Smartphones, lässt sich aber auch stand-alone verwenden, um Tracks zu basteln und zu verwalten.  Speziell Naviki bevorzugen wir deswegen, weil das Gefühl des „Umherzupfens“ von Wegpunkten einfach genial intuitiv ist. Und wenn – wie gesagt – auf der angezeigten Karte schon so Dinge wie der Elberadweg nördlich von Hradec Kralove eingezeichnet sind, ist es kinderleicht, schöne Etappen auf kleinen Sträßchen zusammenzubasteln. Was dann mit diesen zusammengebastelten Etappen geschieht, wird das Thema des nächsten Technik-Essays sein…

Ab morgen fahren wir weiter in Richtung Südosten und der dritte Ruhetag soll in Krakau stattfinden.

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2 Gedanken zu “Breslau

  1. Danke für den Kommentar. Zu „quasi schon auf dem Rückweg“ folgende Antwort vom besserwisserischen (sorry dafür…) Physiker:
    Das ist nur dann richtig, wenn du das korrekte Koordinatensystem betrachtest. Im Nord-Süd-Koordinatensystem sind wir seit heute in der Tat auf dem Rückweg. Im Ost-West-Koordinatensystem aber noch nicht (unseren östlichsten Punkt werden wir wohl in ein paar Tagen irgendwo bei Myślenice südlich von Krakau erreichen).

    Schöne Grüße von uns beiden.

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