Opole – Gliwice

Heute haben wir einen ersten Verlust zu vermelden, und zwar handelt es sich um eine Flasche Nivea-Sonnencreme, Schutzfaktor 50, welche jetzt vermutlich irgendwo zwischen Ligota Dolna und Oleszka am Straßenrand liegt, nachdem sie im Verlauf einer Pause auf dem Gepäckträger liegen gelassen wurde. Naja, halb so schlimm, denn die Flasche war eh‘ schon fast leer.

Pausen haben wir heute mehr gemacht als gestern, da deutlich mehr (eigentlich recht flache) Anstiege auf der Route lagen, welche in Kombination mit dem im Verlauf der ersten etwa 50 km recht strammen Gegenwind doch ziemlich anstrengend war. Allgemein ist die Landschaft deutlich hügeliger als noch gestern, intensiv landwirtschaftlich genutzt und durchsetzt von größeren Waldstücken. Irgendwann kamen wir dann trotz Hügel und Wind auch gut ins Rollen.

Und dass wir überhaupt Sonnencreme benötigt haben, demonstriert, dass das Wetter in Polen momentan besser ist, als das, was wir aus Deutschland so hören: Die Temperaturen sind zwar deutlich niedriger als das, was man im August erwarten würde, aber der Himmel war heute blau, allerdings durchsetzt von einer stark schwankenden Zahl von Wolken.

Nach dem Aufbruch konnten wir zunächst wunderschön der Oder folgen, aber leider sind halt – wie schon festgestellt – die Radwege hier in den großen Städten hervorragend aber außerhalb oft miserabel. Durch den Wald von Kosorowice (mit einer Ehrentafel für den preußischen Forstmeister Ehrenstein) ging es recht rumpelig aber gut voran, aber später, kurz vor Gliwice, hatten wir dann wieder alle Arten von Straßenbelag, die man sich vorstellen kann (unter anderem sehr interessante und das Rad sehr durchrüttelnde hexagonale Beton-Kopfsteinpflaster-Platten) und uns auch noch beim wilden Kurven um wegbreite Pfützen auf einem ausgeschilderten „Radweg“ Brennnessel-Verbrennungen an den Händen geholt, als wir durch das Gestrüpp am Wegesrand gestreift sind.

Ansonsten war es aber eine schöne Etappe: In der Gegend um Kosorowice durften (wie häufig in Oberschlesien) nach dem Krieg größere deutsche Bevölkerungsteile ansässig bleiben, so dass die Ortsschilder zweisprachig sind. Ein interessanter Anblick, zumal die beiden angeschriebenen Ortsnamen sich meist nicht wirklich dramatisch voneinander unterscheiden.

Entlang der Straße sehen wir schon im gesamten Verlauf der Reise immer jede Menge Tiere, zumeist Katzen und Hunde, auch viel landwirtschaftlich genutztes Viechzeug (worunter gestern witzigerweise auch zwei Perlhühner waren, also Vögel, die wir vor einem Jahr in Afrika in größeren Mengen freilebend gesehen haben). In der Gegend von Oleszka (also da, wo unsere Sonnencreme liegt) hatten wir heute aber eine nette andere Begegnung, und zwar mit einem Wiesel, welches deutlich vor uns über die Straße gehüpft ist, dann am Straßenrand hockend uns fragend abgeschaut hat und letztendlich doch ins hohe Gras verschwunden ist. Nett.

Ansonsten haben wir mehrere Mariä-Himmelfahrt-Prozessionen getroffen, jeweils bestimmt hundert Personen, vorne und hinten von einer offiziellen Person in Warnweste flankiert, die fröhlich singend auf (kleineren) Straßen unterwegs waren. Was dann jeweils in einem netten Gegenseitig-Zuwinken endete.

In Gliwice sind wir dann nicht direkt dem sehr guten Radweg in Richtung der Innenstadt gefolgt, sondern nach Norden abgebogen, um den dort liegenden Radioturm von Gliwice anzuschauen. Dieser wurde 1934 errichtet und ist mit seinen 118 Metern der höchste Holzturm der Welt. Hier wurde im August 1939 von der SS ein angeblicher Überfall von polnischen Soldaten auf den Sender inszeniert – eines (aber das bekannteste) von zahlreichen ähnlichen Ereignissen, welche als Vorwand verwendet wurden, um den deutschen Überfall auf Polen zu rechtfertigen. Der Turm steht heute auf einer hübschen Freianlage. Wir machen eine längere Pause und schauen uns dann nach einer tiefer gehenden Dokumentation um, werden aber nicht fündig. Zu spät lesen wir im Hotel, dass es in der Tat eine Außenstelle des Gleiwitzer Museums gegeben hätte, wir aber wohl an der falschen Seite des Gebäudes nach dem Eingang geschaut haben.

Über dicht befahrene Straßen, im Wettstreit mit Ortsbussen und auf der Route liegenden Baustellen erreichen wir unser fast direkt an der Innenstadt liegendes Hotel. Bisher hat Gliwice nicht den besten Eindruck bei uns hinterlassen. Das ändert sich aber im Verlauf eines spätnachmittaglichen Stadtspaziergangs. Die schöne Altstadt ist halt nicht durchgehend so perfekt hergerichtet und renoviert, wie in bekannteren Ortschaften, die wir im Verlauf der Reise schon besucht haben (zum Beispiel Prag). Dafür ist alles angenehm untouristisch.

Tageskilometer: 90.16, Gesamtstrecke: 995 km

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2 Gedanken zu “Opole – Gliwice

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