Krakau – Skomielna Czarna

Wir satteln unsere Fahrräder, die den gestrigen Tag im Konferenzraum des Hotels verbringen durften (je edler das Hotel, desto souveräner der Umgang mit ungewöhnlichen Verkehrsmitteln zur Anreise – Unser Hotel in Krakau hätte vermutlich auch ein Kamel oder einen fliegenden Teppich untergebracht) und fahren quer durch die Altstadt hinunter zum Weichselufer. Hier kommen wir noch einmal am Wawel-Drachen vorbei, den wir gestern schon besucht haben. Dadurch, dass wir früher unterwegs sind und dass heute kein Feiertag ist, ist hier nun deutlich weniger Betrieb.

Hinter der Grünwaldbrücke verlassen wir die Weichsel wieder und biegen ab ins Kazmierz, das alte Judenviertel von Krakau. Wir haben dieses zwar gestern schon vom Bus aus gesehen, wollen unsere Eindrücke aber vertiefen. Das Viertel bietet eine interessante Mischung: auf der einen Seite die alten Synagogen, dazwischen jüdische Restaurants, die zum Beispiel Gefillte Fisch anbieten, andererseits entwickelt sich das Viertel in den letzten Jahren mehr und mehr zum Szeneviertel, so dass es hier auch jede Menge Kneipen und bunte Cafés gibt.

Nachdem wir uns satt gesehen haben, überqueren wir die Weichsel. Hier besuchen wir zunächst noch den Platz der Ghettohelden. Hier erinnert ein Mahnmal aus 70 leeren Stühlen an die deportierten und ermordeten Juden. Zuletzt fahren wir noch vorbei an der ehemaligen Fabrik Oskar Schindlers. Hier ist seit wenigen Jahren ein multimediales Museum untergebracht, dass das Leben in Krakau während der deutschen Besatzung beschreibt. Wir überlegen, ob wir das Museum besuchen, nehmen aber angesichts der langen Schlange davor und der recht anstrengenden Etappe, die heute noch vor uns liegt, davon abstand und besichtigen nur das Fabriktor und die dort ausgestellten Fotos der von Schindler geretteten Juden.

Nun wollen wir Krakau verlassen, treffen aber gleich auf der nächsten größeren Straße auf einen langen Stau. Mit Rädern ist es aber relativ leicht, eine Umfahrung zu finden (zur Not, schiebt man halt über den Gehweg entgegen einer Einbahnstraße) und als wir wieder auf die große Ausfallstraße treffen, ist der Stau zwar immer noch da – aber auch ein schöner Radweg nebendran.  Auf diesem fahren wir nun Richtung Stadtausgang, der sich in einem Gewerbegebiet voller Kinokomplexe, Supermärkte und sonstiger Großmärkte manifestiert.

Hier können wir auf eine Nebenstraße abbiegen. Bald geht es steil bergauf und die nächsten Kilometer folgt ein lustiges bergauf-bergab. Die Gegend ist zwar waldig, aber dicht besiedelt: immer wenn man denkt, jetzt sind wir aus dem zersiedelten Gebiet heraus, taucht die nächste Villa, der nächste Hof, die nächste Datscha oder gleich ein ganzes Dorf auf.

Kurz vor Myslenice verlassen wir den Wald und haben wieder freie Sicht auf die Berge vor uns, die nun viel näher gerückt sind. Die Landschaft erinnert uns ein wenig an den Bayrischen Wald. Auf dem Rynek von Myslenice legen wir eine Mittagspause ein. Für eine Kleinstadt gibt es hier auffällig viele Tauben, der ganze Platz, der nicht gerade klein ist, ist voll davon.

Hinter Myslenice fahren wir auf einer kleinen Straße parallel zur Autobahn ins Tal der Raba. Bald löst sich die Straße von der Autobahn und läuft auf der anderen Flussseite durch kleine Dörfer und Wäldchen. In einer Tankstelle in Pcim wollen wir eigentlich die Reifen unserer Fahrräder aufpumpen, doch der dortige Kompressor hat wohl irgendein Problem: anstatt den Reifen mit Luft zu füllen, tut er lange Zeit gar nichts und wirft dann bei jedem Versuch eine andere Fehlermeldung aus. – Dann eben nicht – und wir haben ja auch einen kleinen Luftdruckprüfer und eine Pumpe mit dabei…

Kurz darauf biegen wir in ein Seitental ab. Mit leichtem Bedauern: geradeaus ginge es weiter nach Zakopane, in die wirklich hohen Berge. In unserer ursprünglichen Planung wären wir dort hin gefahren – und von da an weiter nach Budapest um dort auf den Donauradweg zu treffen. Aber für diese Route hätten wir drei Tage mehr benötigt und die hatten wir, nach vorne durch ein Chorkonzert Katharinas und nach hinten durch eine Tagung Dirks, eingeschränkt nicht.

Die Straße steigt nun stetig an, aber nicht zu steil, so dass wir gut voran kommen. In einen Supermarkt füllen wir unsere körperinternen und unsere externen Flüssigkeitsvorräte wieder auf. In einem Nachbargarten dieses Supermarkts lebt ein Hahn, dessen Schrei gut für eine Reklame für Hustenbonbons zu verwenden wäre: er beginnt, wie ein normaler Hahn um dann in undefinierbarem Gemurmel zu enden. Noch ein paar Kilometer und Höhenmeter später erreichen wir dann unser Hotel für diese Nacht und verbringen den restlichen Nachmittag in dessen Außenjacuzzi.

Tageskilometer: 66.54, Gesamtstrecke: 1196 km

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