Vitanova – Martin

Zweite Verlustmeldung der Reise: Ein Brillenglas hat einen ungeplanten Kontakt mit dem Badezimmerboden nicht ohne Schäden überstanden. Die Splitter werden glücklicherweise durch den Brillenrahmen zusammengehalten, so dass wir mit Glück damit noch heim kommen. Und für den Notfall gibt es immer noch die Sonnenbrille in Sehstärke. Ein Gutes hat das Ganze: Der schon vor zwei Jahren wegen Geiz verschobene Austausch der Brille ist nun endgültig fällig.

Nach dem Frühstück brechen wir auf und treffen auf dem Hotelparkplatz den uns aus seinem Privatauto fröhlich zuwinkenden und sich offensichtlich auf dem Heimweg befindlichen Mitarbeiter, bei dem wir gestern eingecheckt haben. Hat der arme Mensch seit gestern Nachmittag durchgehend Dienst gehabt?

Die nächste größere Ortschaft hinter Villanova ist Trstená, welche wir als recht unauffällig in Erinnerung behalten werden, und als nächstes kommen wir nach Tvrdošín. Hier machen wir eine Pause an der schönen alten Holzkirche, welche sogar Teil des UNESCO-Weltkulturerbes ist (als Teil der „Holzkirchen im slowakischen Teil der Karpaten“). Das Gebäude stammt ursprünglich aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, wurde im 17. Jahrhundert im Renaissancestil hergerichtet und vor etwa 40 Jahren komplett restauriert. Wir bestaunen ausgiebig die alten Wandgemälde und den barocken Altar und brechen dann wieder auf.

Hinter Tvrdošín folgt unsere Stecke im Großen und Ganzen dem Tal der Orava, welches sich im Norden noch recht weit und offen zeigt und im Süden sehr eng, mit steilen waldbewachsenen Hängen auf beiden Seiten. Zudem folgt die Strecke mehreren Schnellstraßen, denen wir zwar – so gut es geht – auszuweichen versuchen, aber überall geht das nicht. Zum Glück kommt einige Kilometer vor Martin ein breiter Seitenstreifen dazu, der das Wohlbefinden von Fahrradfahrern doch stark verstärkt.

Was uns paradoxerweise sehr gut gefällt, sind die Stellen, an denen die Straße zur Autobahn ausgebaut ist, da es dann immer auch eine ältere Parallelstrecke gibt, die pittoresk und fast ohne Verkehr durch schöne Ortschaften führt.

Die größte dieser Ortschaften ist Dolný Kubín, eine zwar recht stark industriell geprägte aber im Innenstadtbereich auch sehr hübsche Stadt. Wir machen auf dem Hauptplatz eine kurze Pause.

Auf einem weiteren der fast autofreien Abschnitte erleben wir eine besondere Überraschung, als wir eine uns vorher unbekannte aber extrem schöne Sehenswürdigkeit entdecken: die Burg von Oravský Podzámok. Das schrittweise vom 13. bis zum 17. Jahrhundert errichtete Bauwerk thront majestätisch auf einer Felsklippe mehr als 100 Meter über dem Fluss. Hier wurden im Jaht 1921 Aufnahmen für den Film „Nosferatu“ gedreht und zudem ist die Burg die Vorlage für den Wohnsitz der Hexer in den „Witcher“-Computerspielen. Leider haben wir für einen Besuch keine Zeit, schauen uns das Bauwerk aber ausgiebig von allen Seiten aus an.

Bei Kilometer 72, also nur etwa 25 km von unserem Tagesziel entfernt und im engsten Teil des Tals der Orava kommen wir zu einem Rasthaus und entscheiden uns zu einem kurzen Imbiss. Wir entscheiden uns allerdings schnell um, als wir die als Folge der Ankuft eines Reisebusses entstandene Schlange an der Essensausgabe sehen. Diese Entscheidung bereuen wir noch ganz leicht, als wir kurz darauf zwar die Schnellstraße verlassen können (freu!), dann aber feststellen müssen, dass in der Slowakei offiziell deklarierte Radwege aus Spuren in einer Wiese bzw. einer Ansammlung von groben Gesteinsbrocken bestehen können. Das Fahren ist anstrengend, dauert elendig lange und wir lassen auf dem letzten Stück nach Martin hinein weit mehr Körner, als wir vorher gedacht hätten.

Martin selber ist eine flächenmäßig recht große Stadt mit einem relativ dazu gesehen sehr kleinen Innenstadtbereich. Unser Hotel liegt direkt an diesem Bereich, was uns gleich nach der Ankunft eine kurze Besichtigung ermöglicht: Wir besuchen zuerst den slowakischen Nationalfriedhof. Zu unserer großen Schande müssen wir gestehen, dass wir keine der hier begrabenen prominenten Personen kennen. Eine schöne Idee ist die Gedenkstätte für verstorbene slowakische Olympiasieger in Form einer großen Platte mit fünf in der Anordnung der olympischen Ringe darauf liegenden Gesteinsbrocken. Nach dem Friedhof schauen wir uns noch die Fußgängerzone an und essen dort gut und reichlich zu Abend.

Tageskilometer: 99.41, Gesamtstrecke: 1359 km

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4 Gedanken zu “Vitanova – Martin

    1. Kleines Logikrätsel als Antwort: Wir hatten ja geschrieben, dass der Brillenrahmen die Bruchstücke zusammenhält. Einer von uns beiden trägt aber eine teilweise rahmenlose Brille, somit bleibt nur derjenige, der dooferweise in der übernächsten Woche aufgrund seiner Arbeitszeiten abends kaum Zeit haben wird, zum Optiker zu gehen. Wir haben auch schon scherzhaft überlegt, ein hier am Straßenrand groß beworbenes Angebot für Augenlasik (798 €) anzunehmen…

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    1. Naja, so etwas ist zwar doof, aber es zeigt auch, wie schnell ein unachtsamer Augenblick zu größerem Schäden führen kann. Insofern müssen wir froh sein, dass es „nur“ ein Glas ist und zum Beispiel alle die letzten Tage über auf den viel befahrenen und schmalen slowakischen Straßen alle Autofahrer in unserer Nähe schön aufmerksam waren.

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