Bojnice – Hlohovec

Die Wände des Hotels sind extrem dünn. So wurden wir gestern Abend noch einige Zeit vom Streit des Pärchens im Nebenzimmer wachgehalten. Dafür werden die beiden heute Morgen um 6:30 Uhr von unserem Weckerklingeln mitgeweckt. – Ausgleichende Gerechtigkeit…

Nach dem Frühstück müssen wir unsere Räder noch ein Stückchen den Burgberg hinauf bewegen, dann können wir ins Tal der Nitra hinunterrollen. Zunächst geht unsere Fahrt nun auf einem kleinen Sträßchen zwischen Fluss und Waldrand durch grüne Wiesen. Es könnte hier wunderschön sein, wäre nicht alles voll von Hochspannungsleitungen.

In Novaky müssen wir dann auf die erste größere Straße des Tages. Direkt hinter dem Ortsausgang kommen wir dann an einer Radarfalle (für Radfahrer eher kein Problem), einem großen Kraftwerk und mehreren Baustofffabriken vorbei. Auch die weitere Fahrt geht vorbei an weiteren Industrieanlagen und eher unattraktive Dörfer. Der Autoverkehr ist recht stark, aber zumindest außerhalb der Ortschaften gibt es immer einen schön breiten Seitenstreifen. Einmal kommt uns auf dem Seitenstreifen der Gegenfahrbahn ein Handwagen mit einem Kleiderschrank entgegen. Ein wenig beruhigt uns das, dass wir als Radfahrer nicht unbedingt die störendsten Verkehrsteilnehmer auf dieser Straße sind.

Bei Patizanske beschließen wir spontan, einem Wegweiser Richtung Zentrum nachzufahren. Dieses Zentrum entpuppt sich dann als eine Art sozialistischer Musterstadt mit breiter Prachtmeile mit Park und repräsentativen Betonklötzen.

Hinter der Stadt geht es dann auf einer geringfügig kleineren Straße weiter. Der Verkehr ist aber nur wenig schwächer und es gibt auch keinen Seitenstreifen mehr, dafür wird die Landschaft aber schöner und auch die Dörfer, durch die wir nun kommen haben einen deutlich ländlicheren Charakter. Etwa bei Tageskilometer 50 können wir die große Straße dann endlich verlassen. Welch eine Wohltat nicht mehr die ganze Zeit brummende Autos neben sich zu haben!

Wir queren die Nitra und biegen wenig später wieder nach Süden ab. Das Tal hat sich nun stark aufgeweitet und ist viel flacher geworden. Flacher heißt aber nicht eben. Das bedeutet für den Radfahrer zunächst einen mal mehr mal weniger steilen Hang hinauf zu strampeln. Oben hat man dann die Sicht auf Mais- und Zuckerrübenfelder, so weit das Auge reicht, zwischendrin auch mal ein Dorf mit einem Wasserturm, der in einem alten Science-Fiction-Film ein UFO spielen könnte. Dann rollt man wieder nach unten und das ganze Spiel beginnt von vorn.

Gegen Hlohovec zu werden diese Hügel wieder höher. Wenige Kilometer vor der Stadt führt die Straße in den Wald. Ab hier geht es stetig nach oben. Zunächst nur flach, dann immer steiler, bis wir endlich den höchsten Punkt erreichen. Nun geht es ähnlich steil hinab ins Tal. Vor uns sehen wir Hlohovec liegen. Wie die meisten slowakischen Städte bisher, ist auch diese keine Schönheit: Ein Meer von Plattenbauten (zum Großteil aber schön renoviert) und Industrieschornsteinen, dazwischen ragen ein paar verschüchterte Kirchtürme hervor.

Wir fahren zunächst zum Hauptplatz, wo wir eine kleine Mittagspause einlegen. Dann umrunden wir einmal die Kirche – und damit ist es an Sightseeing auch schon getan. Wir wollen noch schnell einen Supermarkt aufsuchen, um uns ein paar Getränke zu besorgen. Allerdings haben wir nicht die im Vergleich zu den Nachbarländern deutlich rigideren Ladenöffnungszeiten der Slowakei bedacht: Am Samstag schließen die meisten Läden um zwölf. Einzig die Tankstelle und der Lidl haben noch geöffnet. Na ja, für unsere Zwecke reicht das. Zum Hotel müssen wir dann noch mal einen Berg hinauf, dann können wir uns aber den ganzen Nachmittag erholen.

Tageskilometer: 90.49, Gesamtstrecke: 1509 km

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2 Gedanken zu “Bojnice – Hlohovec

  1. Bisher hatte ich immer den Eindruck, das Schönste an Eurer Tour sind die Hotels- diese Nacht widerlegt meine Einschätzung.
    Wie viele Berge müßt Ihr noch überqueren? Hoffentlich werden sie immer flacher und niedriger!
    Gute Weiterfahrt!

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  2. Danke für Deinen Kommentar.
    Zunächst mal müssen wir etwas klugscheißen: Das schönste auf dieser Reise sind nicht die Hotels, sondern das Erlebnis, aus eigener Kraft das Land zu durchreisen, dabei teilweise an seine Grenzen zu kommen und Natur und Leuten ganz nahe zu sein.
    Die Hotels waren aber teilweise auch toll.
    Dasjenige in Bojnice war eigentlich ganz gut – laute Nachbarn kann man ja auch im Bayerischen Hof in München haben. Da fanden wir unsere letzte Übernachtung (in Hlohovec) ein wenig unbefriedigender (siehe Bericht).
    Vorerst werden wir nun der Donau folgen, das heißt, die Steigungen werden deutlich weniger (wobei auch der Donauradweg nicht durchgehend eben verläuft).

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