Hlohovec – Bratislava

Leider hat sich gestern Abend eine Mücke ins Hotelzimmer geschmuggelt, so dass wir ziemlich zerstochen aufwachen. In Kombination mit dem spartanischen Frühstück (die Kanne, die laut Beschriftung Kaffee enthalten soll, gibt nur kalten Tee – und wir hatten uns noch gewundert, wieso neben den unbenutzten Tassen drei mit kalten Tee gefüllte Exemplare stehen…), dem insgesamt sehr leblosen Hotel und der nicht wirklich interessanten Stadt hinterlässt die Übernachtung in Hlohovec ein etwas fades Gefühl. Im Nachhinein betrachtet hätten wir gestern vielleicht noch die etwa 30 km bis ins deutlich größere Trnava weiter fahren sollen. Aber hinterher ist man immer klüger.

Wir füllen an einer Tankstelle unsere Getränkevorräte auf und rollen dann los. Zuerst auf einer großen Brücke über die Váh und dann immer nach Süden bzw. Südwesten. Die Strecke ist absolut eben und wir kommen zunächst sehr gut voran. Die Straßen sind recht klein, es sind wenige Autos unterwegs. Das Wetter ist deutlich schlechter als gestern und uns begleiten von Anfang an dichte Wolken. Nach einiger Zeit beginnt es mehr oder weniger stark zu regnen – mit Regenklamotten aber auch kein Problem. Wir kommen durch viele kleine Dörfchen, jedes mit einer schönen Kirche. Voderady, nach etwa 35 km überrascht uns mit einem hübschen kleinen Schloss, welches leider ziemlich heruntergekommen ist.

Hinter Voderady führt die Strecke auf einen nicht asphaltierten Feldweg und die kommenden Kilometer werden eklig, da es sich nicht durchgehend um Schotter handelt, sondern es nach einiger Strecke recht schlammig wird und wir ziemlich umherrutschen und -schliddern. Wir erreichen zwar wieder wohlbehalten Asphalt, aber nun ist für einige Zeit die Luft raus: Die Räder und teilweise wir selber sind verschlammt, starker Regen von oben und es kommt zusätzlich noch ein heftiger Gegenwind dazu. Dieser wird so heftig, dass wir hinter dem trubeligen und autoreichen Senec anfangen, die Führungsposition durchzurotieren (bisher hat es sich immer recht zufällig ergeben, wer vorne fährt und wer dahinter). Das hilft und wir kommen trotz aller Widrigkeiten gut bis zum Flughafen von Bratislava, welcher von einem Radweg halb umrundet wird. Ein idealer Platz zum Planespotten ist dieser Flughafen allerdings nicht, dafür ist zu wenig los. Wir pausieren ein wenig und sehen immerhin ein startendes Privatflugzeug und einen landenden Jet einer uns bis dato völlig unbekannten Gesellschaft. Nachdem es fast zu regnen aufgehört hat, versuchen wir auch, notdürftig unsere Räder etwas zu entschlammen (schließlich ist für sie ein Platz in einem Hotelgepäckraum reserviert).

Die Einfahrt nach Bratislava selber verläuft zunächst auf kleinen Sträßchen, teilweise parallel zu einem schönen Park. Dann kommen wir auf eine große Einfallsstraße, welche wohl mal als repräsentativ geplant war, nun aber irgendwie ärmlich wirkt, mit Plattenbauten links und rechts sowie bröckelnden und schlaglochübersäten Bordsteinen bzw. Fuß- und Fahrradwegen. Je mehr wir uns der Innenstadt nähern, desto urbaner wird es, aber der Gesamteindruck ist tendenziell immer noch ein bisschen heruntergekommener, als es bei den meisten Städten in Tschechien oder Polen war.

Dieser Eindruck ändert sich aber schlagartig, als wir die eigentliche Innenstadt erreichen. Diese ist wunderschön und toll hergerichtet. Unser eigentlich vorgebuchtes Hotel hat uns vor ein paar Tagen mitgeteilt, dass sie uns in ein anderes Hotel umbuchen mussten, da ein voriger Gast unser Zimmer demoliert hat. Aber auch das Ausweichquartier liegt recht zentral und nachdem wir uns frisch gemacht haben, bleibt viel Zeit für einen Stadtbummel. Ein Höhepunkt ist – neben den schönen Altstadtgassen – die auf einen Hügel liegende Burg sowie der Ausblick von dieser auf die Stadt. Zudem sehen wir mit Freude, aber auch mit etwas Wehmut, zum ersten Mal seit Regensburg die Donau wieder. Zum ersten Mal seit längerem besitzen wir als Fernradler auch keinen Exotenstatus mehr, denn der Verkehr von mit Packtaschen beladenen Rädern entlang der Donau ist beträchtlich.

Tageskilometer: 83.15, Gesamtstrecke: 1592 km

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