Wien – Melk

Heute hatten wir perfektes Radfahrwetter: warm, aber nicht heiß und ein mäßiger Wind hauptsächlich quer zu unserer Fahrtrichtung. Da zudem der Donauradweg westlich von Wien deutlich abwechslungsreicher ist, als das kilometerlange „im Wald auf dem Deich-fahren“ zwischen Bratislava und Wien, hatten wir richtig Spaß.

Aber von Anfang an: Wien konnten wir schnell und unkompliziert verlassen, indem wir vom Praterstern aus grob der nach Norden führenden Bahnlinie gefolgt sind, und dann zur Donau nach Westen abgeknickt sind. Ein Stück im urbanen Bereich an der Donau entlang (hier sind enorm viele einheimische Rennradfahrer unterwegs), ab Klosterneuburg ein kurzes Stück ab vom Fluss, den wir bei Höflein wieder erreichen. Hier knickt die Route auch nach Westen ab und die dichte Besiedlung lockert allmählich auf.

Kurz darauf treffen wir auch die ersten geführten Gruppen von Radfahrern und eine dieser Begegnugen verläuft gefährlicher als erwartet: Dass auf engem schmalen Radweg Gruppen zu zweit nebeneinander fahren und erst kurz vor Gegenverkehr Platz machen, ist absolut üblich und normal. Auch, dass eine Gruppe hintereinander fährt und die andere zu zweit nebeneinander bleibt. Dass aber eine Gruppe, dreifach nebeneinander gestaffelt und irgendwohin in die Luft schauend, entgegen kommt und keinerlei Anstalten zeigt, Platz zu machen, ist irgendwie weniger schön. Ein lauter Warnschrei kann einen Unfall abwenden, aber als eine Dame der Gruppe das Verhalten mit dem Kommentar: „immer diese Gucker“ relativiert, gibt es von uns eine sehr laute Antwort, die wir hier nicht zitieren wollen. Und diese Antwort war alleine schon wegen der Verwendung des Wortes „gucken“ in diesem Teil des deutschen Sprachraums mehr als verdient…

Der Radweg verläuft größtenteils separat und auf Asphalt, kurzfristig Stücke auch auf normalen Straßen – das dann zumeist in Ortschaften. Wir sehen viele Klöster (zum Beispiel die sehr imposant auf einem Berg liegende Anlage des Stifts Göttweig) und Burgen (hier ist das prominenteste Beispiel sicherlich die Burg Dürnstein, in der von 1192 bis 1193 Richard Löwenherz, der nach dem dritten Kreuzzug eigentlich nur heim wollte, gefangen gehalten wurde). Ein Gebäude, mit dem wir nicht gerechnet hatten, ist das Atomkraftwerk Zwentendorf. Richtig gelesen, Österreich besitzt ein Atomkraftwerk und dieses produziert sogar elektrische Energie: Das Kraftwerk wurde 1977 fertiggestellt und 1978 verhinderte nur eine Volksabstimmung die Inbetriebnahme. Damals wurde das Atomsperrgesetz eingeführt und seit 1999 ist Österreich laut Verfassung frei vom Atomenergie. Dennoch wird – wie oben geschrieben – in Zwentendorf Energie produziert, und zwar seit 2009 mit Hilfe einer Photovoltaikanlage.

Wir fahren über weite Strecken entlang der begradigten Donau, kommen aber auch durch schöne Auenlandschaften, die ein Traum für jeden Vogelfreund sind. Wir rollen auch durch hübsche Ortschaften (die teilweise schon zur Römerzeit besiedelt waren). In der Wachau zwängen sich Radweg und Straße zeitweise in einen sehr engen Streifen Land zwischen dem Fluss und steil aufragenden Felsen. Eine tolle Landschaft. Hier sehen wir auch viele Obstbäume und Weinstöcke mit fast reifen Früchten.

Gegen kurz vor vier Uhr erreichen wir Melk. Nach Bezug des Hotelzimmers besuchen wir das berühmte Melker Stift, machen einen Bummel durch die Altstadt und genießen ein reichliches und gutes Abendessen.

Tageskilometer: 118.13, Gesamtstrecke: 1781 km

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