Landshut – München

Zum Frühstück gibt es unter anderem Mini-Weißwürste und an der Tankstelle, an der wir unsere Getränkevorräte auffüllen, gibt es Augustiner-Bier zu kaufen. – München fühlt sich schon so nah an! Dennoch muss heute noch einmal eine längere Strecke zurück gelegt werden.

Die ersten Kilometer hinter Landshut verläuft der Isarradweg isarfern auf gutem Asphalt parallel zur B11. Erst bei Viecht unterqueren wir die Bundesstraße. Gleich darauf kommen wir an einem Schaf vorbei, das gut als Illustration des Sprichworts „The grass is always greener on the other side“ dienen könnte: Obwohl auf seiner Weide das Gras schön hoch steht, bevorzugt es das Tier, den Kopf unbequem durch den Drahtzaun zu strecken, um den Straßenrand abzuweiden. Wenig später erreichen wir den Isar-Stausee, der voll ist mit Schwänen und anderen Wasservögeln.

Der Weg verläuft noch ein wenig in scheinbar sinnlosem Zickzack durch Felder und Dörfer, bis er dann hinter Moosburg endgültig so wird, wie wir ihn kennen: parallel zum Isarufer auf relativ gutem Schotter (das heißt, man kann recht zügig fahren, wird dabei aber auch relativ stark durchgeschüttelt). Bei Freising kommen wir dann auf das uns bekannte Stück Isarradweg. Wir folgen diesem noch bis Garching und biegen dann ab Richtung Schleißheim. Wir freuen uns über jeweils den ersten Blick auf Allianz-Arena, Olympiaturm und eine Münchner U-Bahn.

Im Biergarten am Schloss Schleißheim legen wir noch eine kleine Pause ein. Kurz darauf biegen wir dann Richtung München ab und erreichen bald das Ortsschild von München. Andere vorbeifahrende Radler mögen uns für leicht verrückt gehalten haben, als wir uns gegenseitig an diesem Ortsschild fotografiert haben. Es folgen noch ein paar Kilometer durch die Stadt, dann können wir unsere Räder wieder an ihren angestammten Platz im Keller stellen und uns unter unsere eigene Dusche werfen.

Tageskilometer: 89.29, Gesamtstrecke: 2196 km

 

Passau – Landshut

Wir rollen, oder vielmehr schieben unsere Räder (die Altstadtgassen sind steil), hinunter zum Donauufer und fahren dort am Schiffsanleger vorbei zunächst an Tagesausflugsbooten, dann an Kreuzfahrtschiffen und zuletzt an Frachtkähnen. Als wir am Bahnhof vorbei kommen, fällt uns auf, dass wir vergessen haben, unseren Zimmerschlüssel zurück zu geben. Also umdrehen und die etwa zwei Kilometer zurück zum Hotel. Der Wirtin war der Verlust des Schlüssels noch gar nicht aufgefallen: „Alles halb so schlimm! Wir haben auch schon Schlüssel mit der Post zurück bekommen.“

So, zweiter Start aus der Stadt heraus. An den Kreuzfahrtschiffen checken mittlerweile die ersten Passagiere ein. Über das Wehr von Kachlet kreuzen wir zum nördlichen Donauufer. Hier geht es wieder auf gutem Radweg durch Wiesen und Felder und an hübschen Ortschaften vorbei. Wir erreichen den Flugplatz von Vilshofen, wo ein reger Verkehr von Segelfliegern und sonstigen Sportflugzeugen herrscht.

Direkt hinter dem Flugplatz queren wir dann zum letzten Mal für diese Reise die Donau und lassen sie wenig später, in Pleinting, ganz hinter uns. Als wir hinter dem Ortsausgang auf eine Landstraße zwischen Mais- und Zuckerrübenfelder abbiegen, entfährt uns beiden wie aus einem Mund: „Heimat!“ (Auch wenn wir nicht genau sagen können, was die Felder hier von denen in der Slowakei unterscheidet).

Wir fahren nun auf kleinen und kleinsten Straßen durch recht welliges Land durch Felder und kleine propere Dörfer und kommen dabei recht gut voran bis wir bei Oberpöring die Isar erreichen. Nachdem wir uns in den letzten Tagen zunächst über die richtige Währung, dann über die richtige Sprache und schließlich gestern das richtige Land an Zuhause angenähert haben, sind wir nun auch am richtigen Fluss.

Das erste Stück Isarradweg ist extrem schlecht. Gerade als wir uns darauf einstellen, die nächsten sechzig Kilometer auf einer sehr grob geschotterten Holperpiste zurückzulegen, überquert der Weg ein Wehr zur rechten Isarseite – und ab hier ist der Weg sehr gut, da asphaltiert. Das ist wesentlich besser als wir, die wir den geschotterten Isarradweg bis etwa 30 km nördlich von München kennen, erwartet haben. Und der Radweg hat auch einen beim heutigen Wetter nicht zu vernachlässigenden Vorteil: er läuft zum größten Teil im Wald und damit im Schatten.

Allerdings ist dieser Vorteil gleichzeitig auch ein Nachteil, denn sonderlich spannend wird es hier nicht mehr. Bald sehen wir, durch einen Damm von ihr getrennt, nicht einmal mehr die Isar selber und von den an ihr gelegenen Städten bekommen wir nicht viel mehr mit, als dass wir von Zeit zu Zeit eine Straße überqueren müssen, die zu einer Brücke führt.

So geht es weiter bis zur Isarstufe Niederaichbach direkt am AKW Isar. Ab hier ist der Weg wieder geschottert, und zwar wieder wesentlich gröber und schlaglochreicher, als nördlich von München. Da es mittlerweile auch im Wald unerträglich heiß geworden ist, freuen wir uns darauf, endlich anzukommen. Bei den ersten Vororten Landshuts verlassen wir den Radweg und ziehen es vor, auf der asphaltierten Straße weiter zu fahren.

Schließlich erreichen wir den Altstadtbereich von Landshut und kurz darauf auch unser Hotel. Ein wenig erfrischt begeben wir uns dann auf einen Spaziergang durch die schönen mittelalterlichen Gassen, die aber bei der heutigen Hitze ziemlich ausgestorben wirken.

Tageskilometer: 121.83, Gesamtstrecke: 2107 km

Linz – Passau

Bei wieder perfektem Wetter verlassen wir Linz und kommen dabei wieder über den wunderschönen Hauptplatz. Wir überqueren die Donau über die Nibelungenbrücke, fahren vorbei am modernen Glasgebäude des Ars Electronica Center und sind ab hier – nur ein paar Minuten nach dem Verlassen des Hotels – wieder auf dem Donauradweg unterwegs.

Ein Supermarkt in Puchenau wird verwendet, um die Getränkevorräte wieder aufzufüllen und auch die Reifen der Räder bekommen an einer Tankstelle das fehlende ungefähr halbe Bar Druck nachgefüllt. Bei Ottensheim, etwa elfeinhalb Kilometer hinter Linz überqueren wir die Donau mit Hilfe einer Seilfähre (im Gegensatz zur Weichselüberquerung vor Krakau wird hier dafür auch Geld fällig).

Bis Passau bleiben wir nun am südlichen Donauufer. Die Qualität des Radwegs schwankt von optimal (das ist größtenteils der Fall, zum Beispiel direkt vor der Schlögener Schlinge, einer sehr interessanten extrem engen Biegung der Donau) bis zu nicht vorhanden (hinter Wesenufer sind wir einige Kilometer auf einer nicht allzu stark befahrenen Bundesstraße unterwegs).

Der Tag steht im Zeichen interessanter Tierbegegunugen. Damit meinen wir nicht nur die unzähligen Schwäne, Blesshühner, Enten und Gänsesäger, die wir im oder am Wasser sehen (an der schönen Uferpromenade von Aschach beobachten wir längere Zeit ein fröhliches Gewusel aller möglichen Wasservögel. An dieser Promenade befindet sich auch ein nachgebauter historischer Transportkahn, mit dem vor Erfindung der Dampfmaschine Waren über die Donau transportiert wurden; flussaufwärts dann mit der Hilfe von am Ufer laufenden Pferden und Seilen).

Es geht los mit einem Wiesel, das einige hundert Meter vor uns mehrfach hin und her über die Straße rennt. Beim Umdrehen blitzt jedes Mal die weiße Brust des Tieres auf. Wir halten kurz hinter der betreffenden Stelle an. Und tatsächlich kommt das Wiesel noch einmal kurz auf den Weg, entscheidet dann aber, dass ihm die zwei Menschen auf den komischen Drahtgestellen entschieden zu suspekt sind und verschwindet schnell wieder.

Kurz darauf landet direkt links neben dem Weg ein Bussard, krallt in das dort liegende Stroh und hebt aufgrund unserer Nähe sofort wieder ab. Ein wirklich majestätischer Anblick. Wir konnten leider nicht erkennen, ob der Griff nach der Maus (oder was sonst sich im Stroh versteckt hatte) erfolgreich war.

Später, wir halten eigentlich an, um eine Burg am anderen Flussufer zu fotografieren, fängt ein Schmetterling, ein Admiral, an, die salzigen Schweißrückstände vom Lenker eines unserer Räder abzulecken. Wir beobachten das Tier eine ganze Weile (die den Radweg entlang kommenden anderen Radler werden sich das ihrige über die beiden Bekloppten gedacht haben, die begeistert ihren Fahrradlenker fotografieren). Als wir den Schmetterling sanft entfernen wollen, sitzt er auf einmal auf einem Finger und saugt seelenruhig weiter. Was unsere Pause zwar um eine Viertelstunde verlängert, aber auch nochmal interessanter gestaltet.

Kurz ehe wir die deutsche Grenze erreichen, sehen wir auf einer kleinen und teilweise mit Gras bewachsenen Sandbank im Fluss ein schlankes schwarzes Tier. Dieses verschwindet aber recht schnell, ehe wir es genauer in Augenschein nehmen können. War das ein Fischotter?

Die Grenze überqueren wir kurz vor Passau mit gleichzeitig sehr wehmütigen (es naht das Ende einer sehr schönen und spannenden Reise), aber auch glücklichen (vor allem das bayerische Wappen weckt Heimatgefühle) Gefühlen. Wir nutzen die Gelegenheit, folgendes aktuelles und extrem passendes Filmzitat anzubringen: „Chewie we’re home“.

Passau erreichen wir nur wenige Minuten später. Unser von seiner Besitzerin extrem liebevoll gestaltetes kleines Hotel liegt etwas versteckt in einer winzigen Altstadtgasse. Nachdem wir uns frisch gemacht haben, nutzen wir den (immer noch sehr warmen) Spätnachmittag für einen ausgedehnten Altstadtbummel.

Tageskilometer: 96.44, Gesamtstrecke: 1985 km

Melk – Linz

Wir verlassen Melk über die Hubbrücke über das Flüsschen Melk.  Am Donauufer kommen wir zunächst vorbei am Melker Schiffsanleger, wo eine größere Anzahl Kreuzfahrtschiffe für die Nacht vor Anker liegt. Über die nächsten paar Kilometer geht der  Radweg zunächst so weiter wie gestern. Auch haben wir wieder guten Rückenwind. Bei Pöchlarn queren wir dann die Donau und fahren nun auf dem Nordufer weiter.Das Tal wird hier wieder schmaler und der Radweg ist manchmal, um überhaupt Platz zu haben, als Stahlausleger seitlich an der befestigten Straße befestigt oder verläuft auch mal ein wenig hügelig durch die Dörfer.

Hinter Isperdorf überqueren wir die Grenze nach Oberösterreich. Hier weist ein großes Schild darauf hin, dass sich die Nummer des Donauradwegs ändert. Statt auf dem Radweg Nummer 6 sind wir nun auf dem R1 unterwegs. – Uns soll’s recht sein… Wenig später verläuft der Radweg dann für ein längeres Stück direkt auf der Bundesstraße bzw. deren Seitenstreifen. Hier macht das Fahren keinen wirklichen Spaß, da die ganze Zeit schwere LKW an uns vorbeidonnern. Erst hinter Grein gibt es dann wieder einen separaten Radweg.

Auf diesem geht es wieder in gewohnter Weise am Donauufer entlang. Nur einmal verlässt der Weg das Ufer und führt quer durch die Maisfelder. Bei der Schleuse Wallsee treffen wir wieder auf den Fluss und können beobachten, wie ein großer Frachtkahn die Schleuse befährt. Der nun folgende Abschnitt lädt durch seinen schön glatten Asphalt und recht geraden Verlauf zu Experimenten ein, wie schnell wir das Rad (mit ganz leichtem Rückenwind) aus eigener Kraft bekommen. Die wenig später passierte Ortschaft Albern lädt dagegen zu albernen Wortspielen…

Hinter Mauthausen verlässt der Radweg erneut das Donauufer und führt ins hügeligere „Landesinnere“. Hier befanden sich zu Zeiten des dritten Reiches mehrere Konzentrationslager: Mauthausen sowie Gusen I und Gusen II. Wir machen eine längere Pause, um uns die Gedenkstätte Gusen anzuschauen. Von den beiden Lagern ist nicht viel erhalten. Das Gelände wurde nach dem Krieg privatisiert und ist inzwischen mit Einfamilienhäusern überbaut. Nur das Krematorium ist erhalten geblieben, da es von einer Gruppe ehemaliger Häftlinge erworben, zu einer Gedenkstätte umgebaut und später dem Staat geschenkt wurde. Im Gebäude nebenan befindet sich eine kleine Ausstellung. Diese lässt vor allem Dokumente für sich sprechen. – Ein sehr bedrückender Ort.

Kurz hinter Gusen treffen wir wieder auf das Donauufer und fahren an diesem entlang die letzten paar Kilometer bis Linz. Das erste, was wir von der Stadt zu sehen bekommen, sind mal wieder mächtige Industrieanlagen. Wir überqueren wieder die Donau und fahren erst noch ein längeres Stück an Raffinerien und Chemiefabriken vorbei. Dann geht es durch Wohnviertel und schließlich am Dom vorbei in die Altstadt. Hier beziehen wir unser Hotel, machen uns frisch, und begeben uns dann noch auf einen Stadtspaziergang.

Tageskilometer: 107.06, Gesamtstrecke: 1888 km

Wien – Melk

Heute hatten wir perfektes Radfahrwetter: warm, aber nicht heiß und ein mäßiger Wind hauptsächlich quer zu unserer Fahrtrichtung. Da zudem der Donauradweg westlich von Wien deutlich abwechslungsreicher ist, als das kilometerlange „im Wald auf dem Deich-fahren“ zwischen Bratislava und Wien, hatten wir richtig Spaß.

Aber von Anfang an: Wien konnten wir schnell und unkompliziert verlassen, indem wir vom Praterstern aus grob der nach Norden führenden Bahnlinie gefolgt sind, und dann zur Donau nach Westen abgeknickt sind. Ein Stück im urbanen Bereich an der Donau entlang (hier sind enorm viele einheimische Rennradfahrer unterwegs), ab Klosterneuburg ein kurzes Stück ab vom Fluss, den wir bei Höflein wieder erreichen. Hier knickt die Route auch nach Westen ab und die dichte Besiedlung lockert allmählich auf.

Kurz darauf treffen wir auch die ersten geführten Gruppen von Radfahrern und eine dieser Begegnugen verläuft gefährlicher als erwartet: Dass auf engem schmalen Radweg Gruppen zu zweit nebeneinander fahren und erst kurz vor Gegenverkehr Platz machen, ist absolut üblich und normal. Auch, dass eine Gruppe hintereinander fährt und die andere zu zweit nebeneinander bleibt. Dass aber eine Gruppe, dreifach nebeneinander gestaffelt und irgendwohin in die Luft schauend, entgegen kommt und keinerlei Anstalten zeigt, Platz zu machen, ist irgendwie weniger schön. Ein lauter Warnschrei kann einen Unfall abwenden, aber als eine Dame der Gruppe das Verhalten mit dem Kommentar: „immer diese Gucker“ relativiert, gibt es von uns eine sehr laute Antwort, die wir hier nicht zitieren wollen. Und diese Antwort war alleine schon wegen der Verwendung des Wortes „gucken“ in diesem Teil des deutschen Sprachraums mehr als verdient…

Der Radweg verläuft größtenteils separat und auf Asphalt, kurzfristig Stücke auch auf normalen Straßen – das dann zumeist in Ortschaften. Wir sehen viele Klöster (zum Beispiel die sehr imposant auf einem Berg liegende Anlage des Stifts Göttweig) und Burgen (hier ist das prominenteste Beispiel sicherlich die Burg Dürnstein, in der von 1192 bis 1193 Richard Löwenherz, der nach dem dritten Kreuzzug eigentlich nur heim wollte, gefangen gehalten wurde). Ein Gebäude, mit dem wir nicht gerechnet hatten, ist das Atomkraftwerk Zwentendorf. Richtig gelesen, Österreich besitzt ein Atomkraftwerk und dieses produziert sogar elektrische Energie: Das Kraftwerk wurde 1977 fertiggestellt und 1978 verhinderte nur eine Volksabstimmung die Inbetriebnahme. Damals wurde das Atomsperrgesetz eingeführt und seit 1999 ist Österreich laut Verfassung frei vom Atomenergie. Dennoch wird – wie oben geschrieben – in Zwentendorf Energie produziert, und zwar seit 2009 mit Hilfe einer Photovoltaikanlage.

Wir fahren über weite Strecken entlang der begradigten Donau, kommen aber auch durch schöne Auenlandschaften, die ein Traum für jeden Vogelfreund sind. Wir rollen auch durch hübsche Ortschaften (die teilweise schon zur Römerzeit besiedelt waren). In der Wachau zwängen sich Radweg und Straße zeitweise in einen sehr engen Streifen Land zwischen dem Fluss und steil aufragenden Felsen. Eine tolle Landschaft. Hier sehen wir auch viele Obstbäume und Weinstöcke mit fast reifen Früchten.

Gegen kurz vor vier Uhr erreichen wir Melk. Nach Bezug des Hotelzimmers besuchen wir das berühmte Melker Stift, machen einen Bummel durch die Altstadt und genießen ein reichliches und gutes Abendessen.

Tageskilometer: 118.13, Gesamtstrecke: 1781 km

Wien

Unser letzter „Ruhetag“ war aufgrund der Weitläufigkeit der Stadt auch der lauf-intensivste und somit auch bei den aktuell recht hohen Temperaturen teilweise ein wenig schweißtreibend.  Wir haben wieder die Besichtingung zu Fuß kombiniert mit Fahrten mit einem Hop-on Hop-off-Bus. Höhepunkte waren neben dem Innenstadtbereich mit dem Stephansdom und der Hofburg die Schlösser Belvedere und Schönbrunn, eine kurze Einkehr zur Sachertorte im Hotel Sacher sowie der Besuch des Praters mit der obligatorischen Riesenradfahrt. Für einen groben Überblick hat es gereicht, aber es ist fast en wenig schade, dass wir morgen schon wieder weiter müssen.

Hier noch der letzte der versprochenen Texte zur Technik, und zwar ein paar kurze Worte zu unseren Fahrrädern. Wie jeder weiß, der die Beiträge gelesen hat, waren die Radwege – vor allem in Polen und der Slowakei nicht immer perfekt (um es mal grandios euphemistisch zu formulieren). Mit einem reinen Rennrad (sehr leicht und ideal um schnell weite Distanzen zurückzulegen) hat man da keine Chance.

Das andere Extrem sind deutlich schwerere Mountainbikes, wie wir sie oft auch bei den Einheimischen gesehen haben. Hier wiegt das Rad deutlich mehr, zudem werden dickere Reifen verwendet (bei typischerweise geringerem Druck), was zu einem größerem Gewicht und auch zu einem höheren Rollwiderstand führen kann. Zudem haben solche Räder zumeist eine Federgabel, was gut und gerne nochmal zwei Kilogramm Gewicht (oder mehr) ausmacht und beim Fahren auf zumeist asphaltierten Strecken nahezu komplett unnötig ist.

Daher sind wir auf Rädern unterwegs, die das Beste aus allen Welten verbinden: leicht (etwa 14.5 kg) dank Rahmen aus Aluminium und Verzicht auf Federgabel (für wirklich lange Tourn in exotische Länder sollte man sich aber überlegen, auf den Gewichtvorteil durch Aluminium zu verzichten, da es im Falle eines Rahmenbruchs schwierig werden könnte, jemanden zu finden, der Aluminium schweißen kann). Die Räder sind straßenverkehrstauglich (Beleuchtung, wir haben sie bisher aber glücklicherweise nie benötigt, und Schutzbleche) und haben Gepäckträger ( nötig, um die Packtaschen zu befestigen).

Für straßenverkehrstaugliche Rennräder gibt es den Gattungsbegriff „Randonneur“ – die Firma Stevens verkauft auch ein sehr gutes Trekkingrad mit diesem Namen. Wir würden auch unsere Räder so bezeichnen (wenn mal die Packtaschen weg sind, wie auf der Fahrt vom Hotel zum Konzentrationslager-Museum in Oświęcim,merkt man erst, wie extrem sportlich sich diese Räder fahren lassen), auch wenn es etwas komisch ist, dass die Firma Gudereit ihre 2016-Modelle der SX-Serie mit deutlich breiteren Reifen versieht, als es noch vor ein paar Jahren der Fall war).

Den Gewichtsvorteil schenken wir wieder ein bisschen dadurch her, dass wir auf (pannensicheren) Schwalbe Marathon plus-Reifen unterwegs sind und seit einer (durch einen extrem unglücklichen Defekt an einem Reifen ausgelösten) Pannenserie während den Trainingsfahrten im Frühsommer als Austauschschläuche die etwas schwereren Hermetic plus von Continental verwenden. Sicher ist es auch eine Glückssache, aber bis jetzt sind wir trotz vieler Rumpelabschnitte pannenfrei – hoffentlich bleibt das die letzten 500 km auch so…

Bratislava – Wien

Wir verlassen die Altstadt von Bratislava über die Stary Most, die Alte Brücke, und haben von dort aus noch einmal einen schönen Blick auf die Burg. Das moderne Einkaufszentrum auf der anderen Donauseite nutzen wir für einen letzten Besuch in einem slowakischen Supermarkt. Hinter dem Einkaufszentrum stoßen wir schnell auf den Donauradweg.

Bis zur Grenze läuft dieser parallel zur Autobahn. Österreich ist das erste Land auf dieser Reise, an dessen Grenze uns kein Schild mit Ländernamen begrüßt. Ganz profan stehen hier nur die üblichen Hinweistafeln zu den erlaubten Geschwindigkeiten sowie zur Mautpflicht, außerdem weißt ein Schild auf die Strafbarkeit der Beschädigung des Hochwasserdamms hin. Einzig ein alter Grenzpfeiler, eventuell noch aus K&K-Zeiten, mit Entfernungsangaben jeweils zum Michaelsplatz in Bratislava und zum Stefansplatz in Wien bringt ein wenig Glanz.

Hinter der Grenze folgt der Donauradweg zunächst einmal der Bundesstraße durch die beiden Ortschaften Wolfsthal und Hainburg. Auf den umliegenden Bergen sind mehrere Burgen zu erkennen, auf dem Braunsberg bei Hainburg auch die Rekonstruktion der dortigen Keltensiedlung. Wie wir schon gestern gemerkt haben, hat die Dichte an Fernradfahrern deutlich zugenommen. Neben uns sind noch viele andere donauaufwärts unterwegs, zumeist in größeren Gruppen, viele mit Fahrrädern von Reiseanbietern.

In Hainburg kommen wir wieder an die Donau, die wir kurz hinter dem Ort auf einer langen Brücke überqueren. Von nun an läuft der Radweg auf einem Damm durch die Auwälder immer geradeaus. Der Weg hat etwas Déjà-vu-haftes: Es sieht hier genau so aus, wie das Stück Donauradweg zwischen Vohburg und  Neustadt, auf dem wir vor drei Wochen Richtung Osten gefahren sind. Da der Himmel heute so wolkenverhangen ist, dass wir die Himmelsrichtung, in die wir fahren, nicht erkennen können, glauben wir schon fast, wieder am Anfang unserer Reise zu stehen.

Einzige Abwechslung im monotonen Geradeaus mit nichts als Bäumen und vereinzelten Wiesen zu beiden Seiten, bildet ein kleiner Abstecher zum kaiserlichen Jagdschloss Eckartsau. Als wir danach wieder auf den Donauradweg treffen, kommen uns nun auch die ersten Radler aus Richtung Wien entgegen. Und leider nicht nur die: Heute geht ein starker Westwind, der uns das Vorankommen nicht gerade erleichtert.

Kurz vor Schönau macht der Weg dann die erste Kurve nach fast zwanzig Kilometern. Über die Gemüsefelder rechts von uns können wir nun schon die Hügel des Wienerwalds vor uns erkennen. Direkt in Schönau verlässt der Weg dann sogar den Damm und führt hinein in den Auwald – nur um gleich darauf auf den nächsten Dammweg zu stoßen. Und wieder geht es auf dem Damm geradeaus, nur nicht mehr auf der Dammkrone sondern auf halber Höhe. Wir kommen nun nahe am Wiener Flughafen vorbei, was wir daran merken, dass die startenden Maschinen dicht über unsere Köpfe hinweg donnern.

Das erste, was wir dann von Wien zu Gesicht bekommen, ist ein schier endlose Ansammlung riesiger Öltanks. Als wir an diesen vorbei sind, stoßen wir dann zum ersten Mal seit Hainburg wider auf die Donau (na ja, eigentlich die Neue Donau, einen Nebenarm, der sich bei Klosterneuburg von der Donau trennt). Es geht vorbei an (streng eingeteilten) Bade- und Grillplätzen, die beim heutigen wenig einladenden Wetter aber verwaist sind.

Bei der Praterbrücke queren wir Neue Donau und Donau. Die Radbrücken sind hier sehr interessant unten an den Autobrücken untergebracht. Vorbei am Ernst-Happel-Stadion, dem hochmodernen Messezentrum und dem Prater mit dem berühmten Riesenrad gelangen wir schließlich zum Praterstern, in dessen Nähe sich unser Hotel befindet.

Geduscht und etwas erholt starten wir dann noch zu einem kleinen Stadtspaziergang zum Hundetwasserhaus, dann entlang des Donaukanals und über die Schwedenbrücke zurück in die Leopoldstadt. Nach einem guten Abendessen geht es zurück ins Hotel.

Tageskilometer: 71.41, Gesamtstrecke: 1663 km